BORDER—CROSSING

Grenzen überschreiten, zwischen Ländern, Medien, Generationen und Institutionen

ist das Thema, der diesjährigen Regionale in der FABRIKculture in Hégenheim.

Kuratiert von Andreas Frick und Martina Siegwolf


Künstler: Eva Borner, Daniel Brefin, Copa & Sordes, Mariejon de Jong-Buijs, Hans-Rudolf Fitze,
Pia Gisler & Mohomodou Houssouba, Martina Gmür, Sabine Hagmann, Anne Immele,
Parvez Imam, Anas Kahal, Anita Kuratle, Jisook Min, stoeckerselig, Fred Walter Uhlig,
Daniel von Rüdiger, Dadi Wirz.
 


Über das Projekt:

Mit BORDER—CROSSING ist nicht nur die trinationale Grenzsituation, die Auswahl von über einem Dutzend Künstlern und Künstlerinnen verschiedener Generationen aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz gemeint, sondern auch im übertragenen Sinn geht es in der Ausstellung wie auch im Vermittlungsprojekt mit Studierenden der LGK (Lehrberufe für Gestaltungund Kunst) HGK/FHNW und Schülern und Schülerinnen des Gymnasiums Leonhard in Basel, in einem erweiterten Sinn darum, Grenzen auszuloten und zu überschreiten – auch diejenige des Kunstbetriebes und der Bildungsinstitutionen.

Das Konzept und die Durchführung der Ausstellung und das Vermittlungsprojekt hat Martina Siegwolf, Kunsthistorikerin, Vermittlerin und Dozentin gemeinsam mit Andreas Frick, Künstler und Lehrer für bildnerisches Gestalten entwickelt und kuratiert. Martina Siegwolf ist mit der Regionale seit ihren Anfängen vertraut und war unter anderem an der ersten Regionale mit dabei. Auch Andreas Frick war als Künstler schon an mehreren Regionale vertreten u.a. vorletztes Jahr in der Kunsthalle Basel.

In der AUSSTELLUNG in der FABRIKculture sind Werke von Künstlern und Künstlerinnen vereint, die sich inhaltlich aber auch im übertragenen Sinne mit BORDER—CROSSING auseinandersetzen und dies in künstlerische Zusammenhänge übertragen.

Anne Immelé aus Mulhouse verbindet mit ihrem Fahnenprojekt Frankreich, Deutschland und die Schweiz über den Luftraum. An verschiedenen Orten der Region sind Fahnen platziert auf denen Wolken und Himmel zu sehen sind. Fahnen markieren Orte und stehen als Flaggen für Nationalstaaten, territoriale Grenzen und kollektive Zugehörigkeit und Identitäten.

Auch im Werk von Pia Gisler & Mohomodou Houssouba ist der Hauptakteur ein Fahnenmast, begleitet von einer Stimme, die Texte in vier Sprachen spricht. Ebenfalls um Identitätssuche, Reisen, Fremdsein, Biografisches und Geschichte(n) handelt es sich bei der Videoinstallation von Sabine Hagmann, den fotografischen Arbeiten der Holländerin Mariejon de Jong-Buijs und den Kurzfilmen, des aus Indien stammenden Parvez Imam.

Wir leben in in einer Zeit, in der uns täglich Medienbilder über Krieg, Flucht, territoriale Kämpfe und unsagbares Leid an Grenzzäunen erreichen. Gleichzeitig ist der weltweiten Mobilität und Migration - so auch der Bilderflut- beinahe keine Grenzen gesetzt.

Das Künstlerpaar Copa & Sordes übersetzen bespielweise auf Leinwand ein Pressebild einer Landung von Bootsflüchtlingen in ein altmeisterliches Eitempera-Harzöl Gemälde, auch den beiden Heliogravüren von Fred Walter Uhlig liegen Fotografien einer Soldatenattrappe zugrunde, die er im Tourist Landmark of the Resistance im Libanon schoss. Hans Rudolf Fitze Malereien verknüpfen Unvereinbares und überschreiten dadurch Grenzwertiges. Martina Gmürs Bombe aus gebranntem Ton und das gemalte Loch auf einer Gipsplatte umspielen inhaltlich und medial Grenzerfahrung. So sind auch die beiden Velos von Anita Kuratle nur Vehicels unserer Wahrnehmung und zum Flüchten unbrauchbar. Die Fotoarbeit von Eva Borner von Obdachlosen Behausungen in Athen, sowie die Bodeninstallation aus gebrauchten Teppichen von stöckerselig erzählen subtil von Sehnsucht, Flucht und der Imaginationskraft von Sprache und Bild. Auch Daniel Brefin lädt mit seinem performativen Spaziergang Semipermeabel ein, den Grenzraum um Basel zu erfahren und den Weg nach Hégenheim physisch zu begehen.  Die in Frankreich lebende Südkoreanerin Jisook Min verbindet auf poetische Weise das Bleiben und Wegziehen in ihrem Werk Invitation de voyage, auch der in Syrien geborene und in  Deutschland lebende Anas Kahal führt uns in seiner Videoinstallation Swinging den Moment vor Augen, in dem ein Körper durch Energie aus der Gleichgewichtslage ausgelenkt wird. Zusätzlich ist stets eine zur Ruhelage rücktreibende Kraft vorhanden, die den schwingenden Körper daran hindert die Bahn zu verlassen. Aufnahmen seiner Reisen in Papua Neuguinea sind das Ausgangsmaterial von Daniel von Rüdigers Audio-Videoinstallation, traditionelle Arbeitsabläufe von Frauen und Männern werden zu einer rythmischen Komposition zusammengefügt.

 

Mit CONSTELLATION ITINERANTE wird der 85-jährige Künstler, Sammler und Weltreisender Dadi Wirz mit einem besonderen Format der Präsentation in der Ausstellung geehrt. Als Sohn des bekannten Basler Ethnologen Paul Wirz, bereiste er schon als Kind viele Länder und verschiedene Kontinente. Flussläufe, Reiserouten und Grenzverläufe hat er in unterschiedlichste Druckgrafiken und in Metallobjekte verewigt – Zeugnisse und Verortungen seines stetigen Unterwegsseins. Auch kartografische Zusammenhänge sind Sujets, die er aus verschieden Perspektiven und in unzähligen Serien und Medien überträgt. Sein Lebenswerk kann in verschiedenster Hinsicht als Border – Crossing bezeichnet werden. In Zusammenarbeit mit den Studierenden Melis Ipek und Etienne Maissen haben wir in seinem wunderkammerartigen Atelier in Reinach aus seinem reichhaltigen Oeuvre verschieden Werkgruppen ausgewählt und in eine neue Konstellation zusammengeführt.

 

Als BORDER–CROSSING ist auch das VERMITTLUNGSPROJEKT mit den Studierenden und der Klasse 5e Schwerpunktfach bildnerisches Gestalten des Gymnasiums Leonhards, Basel zu verstehen. Von Oktober bis Januar setzten sich die jungen Menschen intensiv unter der Anleitung der beiden Studentinnen Vera Caggegi und Meret Pardey mit den Künstlern und Künstlerinnen und deren Lebens- und künstlerischen Arbeitsweisen auseinander. Sie machen Atelierbesuche und Interviews, legen Dokumentationen an und erarbeiten schlussendlich auf dieser Basis eine eigene Arbeit. Die Ergebnisse und Erfahrungen werden über eine Webseite und über New Medias einsehbar, welche die beiden Studierenden Jonas Studer und Laila Yacoub im Rahmen ihres schulischen Praktikums mit den Schülern und Schülerinnen entwickeln. Die Finissage der Ausstellung im nächsten Jahr in der FABRIKculture wird die Vernissage vom HEATER, der Präsentation der Arbeiten und Recherchen von Noél Ruf, Xilun Ye, Cléo Amacher, Leonie Roth, Charlotte Schweizer, Lucia Gränicher, Pia Holzer, Joana Kunz, Rabea Langner, Samuel, Vögtli, Juri Gregori, Armel Lambelet, Nurdan Sezer sein.

BORDER-CROSSING / Traverser les frontières – entre les pays, entre les générations, entre les
formes et les démarches artistiques et entre les institutions. C’est sous ce thème que Martina
Siegwolf et Andreas Frick, les commissaires de l’exposition, ont placé la REGIONALE 17 à
FABRIKculture. Les artistes invités, qui viennent des trois pays frontaliers, eux aussi, de différentes
manières, travaillent aux frontières des choses, dans la forme ou dans le propos.
Et une part importante du concept de cette exposition est la participation des étudiants de la Haute
école des arts ILGK HGK/FHNW et du collège Léonhard, et les échanges possibles avec le lieu de
l’exposition, avec l’art, et avec les artistes. C’est donc bien une traversée de multiples frontières,
sur des plans très différents, que propose cette Régionale à Hégenheim, une expérimentation de
toutes les formes possibles de rencontre et d’échange entre les participants et avec le public.